16. Juni 2013 · Kommentare deaktiviert · Kategorien: Allgemein

Südostasien ist eine der Traumziele für Auswanderer

Nachdem Thailand als Aussteiger- und Auswandererparadies lange Zeit beliebt war, haben sich in Asien mittlerweile andere Destinationen entwickelt, die für Auswanderer ebenfalls interessant sind. Zu diesen gehört Vietnam, das besonders unter amerikanischen GI zur zweiten Heimat geworden ist. Aber Vietnam ist kein Auswanderungsland. Lohnt es sich denn wirklich, in dieses Land auszureisen?

Vietnam ist ein schönes, tropisches Land mit einer langen Küste, einem schönen, grünen Landesinneren und gastfreundlichen Menschen. Vietnam ist ein einfaches, unkompliziertes Land. So scheint es zumindest, wenn Reisende hier ihren Urlaub verbringen. Denn wer sich länger in Vietnam aufhält, wird alle Facetten vietnamesischer Bürokratie kennenlernen. Denn nur auf den ersten Blick mag Vietnam unkompliziert erscheinen. Die vietnamesische Mentalität lässt so manch Komplexes schnell einfach erscheinen. Urlauber besuchen dieses Land nur für eine kurze Zeit und merken kaum, dass sie sich in einem Parallel-Vietnam befinden, das vom realen Alltagsvietnam so weit entfernt ist, wie oftmals die Heimat der Besucher selbst. Denn Vietnam versteht es, sich zu präsentieren.

Das sozialistische Land mag natürlich erst einmal ideal sein, um den einen oder anderen Cent zu sparen. Vietnam ist günstig und das Leben hier durchaus erschwinglich. Mit knapp 400 Euro im Monat ließe sich bereits ein recht angenehmes, aber nicht luxuriöses Leben führen. Mit dem doppelten, also 800 Euro, können Ausländer ein mehr als luxuriöses Leben führen. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt, nach unten aber schon. Während viele Vietnamesen durchaus auch mit 50-100 Euro im Monat leben können, sollten Ausländer mindestens mit den besagten 400 Euro rechnen. Und die wollen natürlich erst einmal verdient werden. Deutscher Lohn mag angenehm sein, aber wenn man nun in Vietnam lebt, wie kommt man an ihn ran?

Und da wären wir beim ersten Problem für Auswanderer. Die Arbeit. Grob gesagt, wer keine Arbeit hat, muss entweder reich sein oder Rentner. Arbeiten ist für Ausländer in Vietnam nämlich nicht erlaubt. Das ist natürlich ein wenig überspitzt formuliert, denn im Gesetz heißt es lediglich, dass Arbeitgeber Ausländer nur für Arbeit einstellen dürfen, wenn Vietnamesen für diese nicht qualifiziert sind. Dieser harmlos klingende Satz erzeugt aber ein gewaltiges Problem, denn Vietnam benötigt derzeit kaum Fachkräfte. Die meiste angebotene Arbeit ist im Bereich Hilfskraft anzusetzen. Ausländer dürfen unter drei Umständen in Vietnam arbeiten. Erstens, wenn die vietnamesische Regierung bzw. eine ihrer Vertretungen vor Ort, den Ausländer eingeladen hat. Es handelt sich meist um gut ausgebildete und gut bezahlte Spezialisten, Wissenschaftler oder Manager. Die vietnamesischen Behörden kümmern sich in dem Fall um alle konsularischen Angelegenheiten. Im zweiten Fall wird der Ausländer im Auftrag einer deutschen (oder ausländischen) Firma nach Vietnam geschickt, um vor Ort etwas zu erledigen. Hier greift das deutsche Entsendegesetz. Auch hier handelt es sich meist um Spezialisten. Der dritte Fall stellt die Existenzgründung dar. Wenn Auswanderer nach Vietnam kommen, dort investieren und sich eine eigene Firma aufbauen und Arbeitsplätze schaffen, sind sie natürlich willkommen. Zumindest für drei Jahre, denn dann steht das Projekt zur Evaluation an. Ein vierter Fall umfasst all diejenigen, die mehr oder minder illegal in Vietnam leben – fast 98% aller Ausländer in Vietnam! Lediglich 2500 Ausländer lebten in 2011 offiziell in dem tropischen Land und besaßen eine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung.

Und da ist auch das zweite Problem. Denn ohne Arbeit gibt es eben auch keine Aufenthaltsgenehmigung, zumindest keine offizielle. Denn mithilfe von Drei-Monats-Visa, die beliebig verlängert werden können, ist es durchaus möglich, lange Zeit in dem Land zu leben. Die kosten allerdings Geld und sind dann alle drei Monate fällig. Zudem werden offizielle Dokumente mit Ende des Visums ebenfalls direkt ungültig, also Führerschein, Mietvertrag, Handyvertrag etc. etc. Im Alltag wird dies jedenfalls kaum wahrgenommen, kann unter Umständen aber durchaus enervierend sein. Die vietnamesischen Behörden sind kaum zu beeindrucken. In 2010 wurden über 20000 Ausländer ausgewiesen – darunter auch solche, die eigentlich in Vietnam zu bleiben erlaubt waren. Die Visagesetze ändern sich im Halbjahresrhytmus und nehmen an Dramatik zu. Deutsche erhalten lediglich ein Drei-Monats-Visum, das zweimal verlängert werden kann. Danach muss ein neues Visum im benachbarten Ausland geholt werden. Auch mit Visaerlass müssen Ausländer sich alle drei Monate bei der entsprechenden Behörde melden. Ohne Aufenthaltsgenehmigung gibt es aber eben auch selten eine Arbeitsgenehmigung (und umgekehrt).

Aber nicht nur Konsularangelegenheiten sind kompliziert, auch der Alltag. Ausländern ist Besitz in Vietnam nicht gestattet, d.h. für Ausländer ist es allenfalls möglich, ein Haus zu mieten. Es zu kaufen ist derzeit noch nicht möglich, auch wenn die vietnamesische Regierung derzeit an einer Änderung der Gesetzeslage arbeitet. Dies gilt auch für Autos, Motorräder und andere Dinge, die nicht zum Alltagsgebrauch sind. Hier gibt es zwei Varianten: Entweder überschreibt man den entsprechenden Besitz an eine vietnamesische Verwandte (Ehefrau/mann, Freund/in) oder als Existenzgründer auf die entsprechende Firma. Der Haken: Natürlich gilt der- bzw. diejenige als Besitzer, auf den der Besitz im Buch eingetragen ist. Im Falle einer Scheidung oder Trennung ist das Haus direkt weg. Dies gilt auch für Insolvenzverfahren bei Firmen. In den letzten Jahren häuft sich auch der Betrug mit dieser Masche. Ganze Banden sind darauf spezialisiert, Ausländern Häuser zu verkaufen. Auch die ein oder andere Ehefrau hat sich schon mit Auto und Haus davon gemacht. Leider gibt es derzeit kaum juristische Möglichkeiten dagegen vorzugehen. Dies gilt auch für Joint Ventures, bei denen Ausländer häufig Kapital beisteuern und Vietnamesen ihre Namen bzw. Grund und Boden. Vietnamesen müssen laut Gesetz mehr als 51% besitzen. So lassen sich Ausländer natürlich leicht übervorteilen. Es soll natürlich nicht der Eindruck erweckt werden, in Vietnam sei Betrug alltäglich. Dies ist er keineswegs, aber es ist leicht, da Ausländer kaum gesetzliche Grundlagen haben.

Dies war anfangs auch in Thailand der Fall. In Vietnam wird sich vieles ändern. Wer also nach Vietnam auswandern will, soll dies durchaus tun. Aber im Vorhinein sollten durchaus einige Dinge geplant und erledigt werden. Zuerst einmal sollte jeder Interessent für einige Zeit nach Vietnam gehen, ohne alles in Deutschland aufzugeben. Ein halbes Jahr oder ein Jahr. In dieser Zeit lassen sich auch die Grundlagen der vietnamesischen Sprache schnell erlernen und Kontakte knüpfen. Wer aber keine ausreichende Finanzierung, sprich regelmäßiges Einkommen hat, sollte Vietnam meiden. Ist das Kapital aufgebraucht, lässt es sich kaum ersetzen. Die meisten in Vietnam gestrandeten Ausländer jobben nebenbei als Englischlehrer und verdienen sich so ihren kargen Lohn. Bevor Auswanderer nach Vietnam gehen, müssen sie also entweder über Kapital, eine Arbeit oder Rente verfügen. Dass ein Interesse für das Land und die fremde Kultur vorhanden sein sollten, versteht sich von selbst. Neben der mangelhaften Vorbereitung scheitern die meisten Ausländer in Vietnam nämlich nicht am Geld, sondern an der Anpassung an die fremde Kultur. Vietnam ist kein europäisches Land und auch kein Land mit Anteil an der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte. Dies merkt man sofort, wenn man dieses Land bereist. Wer hier längere Zeit leben will, muss seine europäische Ideenwelt abgeben und sich anpassen. Und dies fällt den meisten doch mehr als schwer.

Fazit: Vietnam ist ein schönes, aber schwieriges Land. Urlaub ist einfach, aber Leben dagegen schwer. Nur wer ausreichend Überlebenswillen hat, Disziplin, ein gut gefülltes Sparbuch und geeignete Kenntnisse sollte dieses Abenteuer wirklich wagen.
Autor: contentworld.com/authors/profile/9666/

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